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K**R
Amerikas Waffenleidenschaft – ein dramatischer und gesellschaftskritischer Roman
Als Pearl und ihre Mutter in den Ford Mercury ziehen ist ihre Mutter 17 und Pearl gerade erst geboren. Das Auto steht seit mittlerweile 14 Jahren auf dem Parkplatz am Rande eines Trailerparks irgendwo in Florida. Die Welt um sie herum frönt ihrer Waffenbegeisterung. Waffenbesitz ist so selbstverständlich wie Essen und Trinken, Schießübungen sind an der Tagesordnung und Pistolen und Gewehre beliebter als Haustiere. Doch Pearl und ihre Mutter leben in ihrem Ford Mercury in ihrer eigenen kleinen Traumwelt, bis ein Mann namens Eli im Trailerpark auftaucht und alles verändert…Meine Meinung:Das außergewöhnliche Cover von „Gun Love“ hat mein Interesse geweckt, der interessant klingende Klappentext hat das Übrige dazu getan. Jennifer Clement hat einen außergewöhnlichen Roman geschrieben, der einen kritischen Blick auf die Gesellschaft und die zweifelhafte Liebe der Amerikaner auf ihre Waffen wirft. Clement ist Präsidentin des P.E.N. und kämpft international im Namen von Autoren überall auf der Welt auf das Recht auf freie Meinungsäußerung.„Ich wuchs in einem Auto auf, und wenn man im Auto lebt,hat man keine Angst vor Blitz und Donner, das Einzige, wovor man Angst hat, ist der Abschleppwagen.“Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des Mädchens Pearl. Obwohl ihr zu Hause ein Auto ist und sie ein richtiges Dach über dem Kopf nie kennen gelernt hat, führen sie und ihre Mutter Margot ein normales und irgendwie auch glückliches Leben, denn zwischen den beiden liegt ein ganz besonderer Zauber inmitten des Wahnsinns um sie herum. Waffen bestimmen den Alltag der Menschen im Trailerpark, in dem vom Kriegsversehrten bis hin zum korrupten Priester alle Menschentypen vertreten sind. Als ein Waffenschmuggler namens Eli auftaucht, wird alles anders. Der Mann verdreht Mutter Margot den Kopf und Pistolen und Gewehre sind in Pearls überschaubarem Umfeld plötzlich präsenter denn je. Bis es zu einer Katastrophe kommt, die Pearls sowieso schon schwieriges Leben von einem Tag auf den anderen verändert.Es ist harte Kost, die Jennifer Clement ihren Lesern hier auf dem Silbertablett serviert! Eine Story in der Hass, Liebe, Fantasie und Wirklichkeit miteinander verschmelzen und die die Autorin in eindringlichen Bildern und wunderschönen, fast poetisch anmutenden Sätzen eingebettet hat. Es wird ein wahrheitsgetreues Bild von einem Teil der heutigen amerikanischen Gesellschaft reflektiert, das aufwühlt und betroffen macht.Pearl ist ein Charakter den ich sofort ins Herz geschlossen habe. Ein starkes, aufgewecktes Mädchen und in ihrer Art unheimlich authentisch. Ihre Mutter Margot hingegen ist eine Frau, die sich oft in Träumen verliert und Pearl immer wieder mit ihren fantasievollen Illusionen verzaubert.„Manchmal würde ich mir wünschen, nochmal ganz von vorne anzufangen. Ich will mich wieder in meine Zukunft verlieben. Meine Mutter hat immer jede Menge solcher Geburtstagskerzen-Wünsche“.Das Ende der Geschichte bleibt offen und hinterlässt viele ungeklärte Fragen, lässt dem Leser somit aber Raum für eigene Gedanken und Schlussfolgerungen.Mein Fazit:„Gun Love“ zeichnet eine unromantische Skizze der amerikanischen Unterschicht. Waffen, Gewalt, Armut und Arbeitslosigkeit. Dazwischen strahlt aus der Trostlosigkeit die junge Pearl, der man nur das Beste wünscht. Jennifer Clement schreibt eindringlich, kraftvoll und bildhaft und bringt so ein Stück trauriges Amerika in die Wohnzimmer ihrer Leser. Ein absolut lesenswertes Buch!
A**E
So faszinierend wie erschreckend
Die poetische Sprache dieses Romans und die beschriebene, allgegenwärtige Gewalt klaffen auseinander wie Arm und Reich in den USA, wie der amerikanische Traum und die Wirklichkeit. In wunderschönen Sätzen und eindringlichen Bildern wird beschrieben, wie Pearl mit ihrer Mutter am Rande eines Trailerparks in einem Auto aufwächst. Die anderen Bewohner dieses Trailerparks verdeutlichen dabei eklatant die Schwächen des US-amerikanischen Sozialsystems – sei es die ehemalige Biologielehrerin, die aufgrund der Arztrechnungen ihres verstorbenen Mannes verarmt ist, der seelisch wie körperlich schwer mitgenommene Veteran, oder der heuchlerische Priester, der Drive-in Gebete und Geld für Waffen anbietet.Überhaupt, Waffen sind das Thema dieses Romans. Vom Waffenhandel bis zur Pistole unter dem Kopfkissen, dem nahezu ziellosen Schießen auf Tiere, Menschen und Gegenstände zum Waffenausmalbuch für Kinder – der Waffenwahnsinn in den USA wird mehr als verdeutlicht. Manchmal gerät das etwas plakativ; vielleicht liegt das aber auch daran, dass zumindest der europäischen Leser ohnehin schon der Meinung ist, dass es weit strengere Waffengesetze bräuchte. Überzeugend ist der Roman dort, wo er in wenigen Zeilen ganze Biografien schildert, von Menschen, die zum Opfer irgendeines Unglücks oder blöden Zufalls werden, und die dann nicht aufgefangen werden.Das Erzähltempo ist ziemlich rasant; ich hätte mir an einigen Stellen gewünscht, noch etwas zu verweilen. Der Geschichte wegen, aber auch, weil so für mich die Motive der Charaktere teils im Dunkeln blieben. Gleichzeitig kann man dadurch das Buch kaum aus der Hand legen. Was mir auch nicht so gut gefallen hat, ist, dass am Ende genau die Logik zählt, die das Ganze zu einem so schwer zu durchbrechenden Kreislauf macht: Wenn die Anderen bewaffnet sind, brauche ich eine Waffe, um mich zu verteidigen. Vielleicht geht es der Autorin hier auch darum, dass der Einzelne diesem Irrsinn wenig entgegenzusetzen hat und vielmehr Antworten auf Systemebene gefragt sind. Wie das gehen könnte, und wie es eigentlich zu der aktuellen Situation kommen konnte, sind Fragen, die der Roman leider nicht weiterverfolgt. Was er bietet, ist eine scharfe, grelle Bestandsaufnahme, eine faszinierende Geschichte und Sätze, die schimmern wie Perlen.
A**8
Ein atmosphärisch dichtes, sprachlich beeindruckendes Buch!
Das Buch überzeugt durch eine poetische Sprache, die mich die Handlung ab und zu komplett vergessen liess, so dass ich zurückblättern musste, um den Abschnitt erneut zu lesen. Ich habe mich komplett in die Sprachgewalt der Autorin verliebt! Nicht, dass die Handlung langweilig wäre, im Gegenteil. Clement setzt den Mikrokosmos von Pearl und ihrer Mutter, ihre "heile" Welt in ihrem Auto auf dem Trailerpark, dem Makrokosmos eines Amerika gegenüber, das geprägt ist von Waffenbesitz und -gewalt, Wegwerfgesellschaft und einem nicht funktionierenden Sozialsystem. Einige Situationen sind sehr überspitzt dargestellt, und viele von Margots Gedanken und Handlungen sind realitätsfern, aber genau dieser Gegensatz kreiert dann wiederum diese Atmosphäre der Ungläubigkeit und des leichten Grauens. Die Rolle, die die Mexikaner im Buch spielen, darf ruhig als Spitze gegen die aktuelle USA-Politik aufgefasst werden.Ein atmosphärisch dichtes, sprachlich beeindruckendes Buch!
S**I
Einblick in die Lebensumstände des White Trash in den Vereinigten Staaten von Amerika
Die vierzehnjährige Pearl Frances haust mit ihrer Mutter in einem alten Ford Mercury am Rande eines Trailerparks in Florida.Jennifer Clement Roman taucht ein in die alltägliche Gewalt, Armut und Suchtverhalten des verarmten Amerika. Mit schlichten Worten und in äußerster Knappheit schildert sie die oftmals verstörenden Lebensumstände einer verarmten Bevölkerungsschicht und Schlüsselerlebnisse der heranwachsenden Pearl und schafft sohin ein leicht überspitztes Panorama der amerikanischen Unterschicht und ihrer Probleme. Leitmotiv des Romans ist die Liebe dieser Bevölkerungsschicht zu Waffen und deren legale aber auch illegale Verwendung. Clements Roman gibt Einblicke in die Welt des White Trash und verschafft dem Leser Einblicke in die Absurditäten und Denkweisen jener Gesellschaftsschicht. Für den an soziale Sicherheit und Stabilität gewohnten europäischen Leser wirkt die Bestandsaufnahme Clements zeitweise fremd und verstörend und ist das Werk gerade deshalb geeignet, Verständnis für die Lage und Eigenarten der Vereinigten Staaten zu schaffen.
M**O
Unfassbare Gewalt
Die US-amerikanische Autorin Jennifer Clement, Jahrgang 1960, veröffentlichte zahlreiche Romane und Lyrikbände. Von 2009 bis 2012 war die studierte Literaturwissenschaftlerin gewählte Präsidentin des mexikanischen P. E. N. „Gun Love“ ist der neue Roman der Schriftstellerin. Im Zentrum steht die vierzehnjährige Pearl, die mit ihrer Mutter in einem Autowrack in einem tristen Trailerpark in Florida lebt. Waffen sind allgegenwärtig. Aber alles scheint gut. Bis ein gewalttätiger Mann aufkreuzt. Brutale Schießereien und Morde zerstören die Romantik. Pearl gerät zwischen die Fronten. Die Autorin erzählt ihre beklemmende Geschichte aus der Sicht des jungen Mädchens. Jennifer Clement skizziert dabei die amerikanische Unterschicht ohne Romantik. Sie zeigt auf, was Gewalt mit Menschen machen kann und wo sie hinführen kann. Die Prosa der Autorin ist poetisch schlicht, knallhart und ungemein eindringlich. Ein verstörendes Buch, das lange nachhallt.
TrustPilot
2 个月前
1天前